Die Zeitung, Hort des Qualitätsjournalismus, treibt mich immer wieder um. Am letzten Wochenende feierte sich die FAS mit ihrer neuen Aufmachung nach 14 Jahren, eine Reihe feiner Veränderungen, die sogar der Süddeutschen einen Aufsatz wert waren. Ein Vielleser unserer Tage, Leser auch auf dem Smartphone, Tablet und ebook-reader, muss schon auf die Veränderungen der FAS hingewiesen werden, um sie überhaupt wahrzunehmen. Und ich finde den Vergleich mit der Zeitung meiner Vorfahren faszinierend. Den Vergleich mit dem Layout aus 1720, der Freitags-Zeitung. Dann den "Entwicklungsgang" der Zeitung, wie ihn der Großvater Stefan Ulrich im Jahre 1912 zum 200sten Jubiläum der Druckerei darstellte, die Freitags-Zeitung ganz unten am Anfang. Zurück zur Gegenwart: Ist der Zeitungsdruck wirklich so erstarrt, oder muss er erst von den digitalen Medien lernen, die ihn heute so vehement in die Zange nehmen?
Montag, 15. Juni 2015
Montag, 8. Juni 2015
Genius&Trend2: Energiewirtschaft nur mit Elektronen&Wasserstoff
In Genius und Trend, siehe blog vom 13.5., ging es seinerzeit um eine Vision für I&K, Informations- und Telekommunikationstechnik, für das 21. Jahrhundert. Das damals, 1999, prognostizierte Lebensgefühl einer mobilen Wissensgesellschaft ist bereits heute als Digitale Gesellschaft Realität mit einer ganzen Reihe von genialen disruptiven Innovationen. Unbegrenzte Mengen an Bit in der Nachfolge von begrenzten Mengen an Molekülen waren die Leitidee der Vision.
Es ist an der Zeit, diese Idee weiterentwickeln in Richtung der unerlässlichen Energieträger. Die fossilen Energieträger beruhen ausnahmslos auf Molekülen. Ihre Begrenztheit stellte der Club of Rome zum zum ersten Mal aufrüttelnd dar; heute dominiert das Problem des CO2 bei ihrer Nutzung. Das Ernten erneuerbarer Energie und ihre Verbreitung als elektrische Energie kommt ohne Moleküle als Träger aus. Eine Wasserstoff-Energiewirtschaft mit Speichern braucht darüber hinaus nur H2O. Im Schatten des G7 2015 beinahe keine Vision mehr, DECARBONIZE. Das wird eine Revolution bringen, vielleicht eine größere Revolution als für I&K in 1999 abzusehen war.
Donnerstag, 4. Juni 2015
Murakami&Männer
Haruki Murakami: Von Männern die keine Frauen haben. Es war eine fesselnde Lektüre aus der Feder des Großmeisters. Obgleich, der Titel irreführend, Kurzgeschichten nicht mein Ding, einiges experimentell und eher Murakami auf dem Weg zu Kafka als zu sich selbst. Der Titel meint, Männer, die keine Ehefrauen oder so etwas wie monogame Partnerinnen haben, Männer, die Männer haben sind auch nicht vorgesehen. Die Erzählungen sind so gut, dass man über diese Mängel an der Verpackung gene hinwegliest.
Dienstag, 26. Mai 2015
Saramago Mitläufer
Jose Saramago: Das Todesjahr des Ricardo Reis. Saramago knüpft schon mit dem Titel ganz unverhohlen an Fernando Pessoa an. Und lässt Pessoa als untoten Toten die Leitfigur bis zum letzten Gang des Ricardo spielen. Ricardo selbst ist ein Irrlicht, der Plot des Romans eine Irrfahrt in einer Diktatur. Beschreibt Saramago seine Rolle in der Zeit Salazars? Allemal konnte ich mich dem Buch nicht entziehen, ob es daran liegt, dass es gut ist?
Mittwoch, 13. Mai 2015
Freitag, 1. Mai 2015
Moacyr Scliar: der zentaur im garten
Ein wunderbares Märchen. Oder doch nur eine phantastische Übertreibung? Auf jeden Fall ein spannendes Lesen.
Buchheim
Das Buchhheim-Museum, wunderbare Architektur. Ein genius loci, der einen schon anspringt sobald man auf dem Fußweg vom Parkplatz kommend, den See und das Ensemble von Bau und Park überblickt, beinahe zu sehr von oben herab. Man sieht die Fußwege rechts, den Bau und freut sich schon auf eine annähernde Umrundung des Gebäudes bevor man sich ins Innere begibt. Weit gefehlt, kein Kiesweg dicht am Wasser, der unter der hohen Landungsbrücke einen die Lage zugänglich macht. Was sucht ein Hof mit Geräten zur Pflege des Parks in so prominenter Lage? Also auf ins Innere.
Oh weh, vom Regen in die Traufe mit den erhabenen Gefühlen. Zwar wird man von Eingangshalle und Kasse samt freundlichem Geistern wohl empfangen, aber dann zeigt einem die Innenarchitektur und Einrichtung noch weniger als die kalte Schulter: mich hat sie vor den Kopf gestoßen. Kein roter Faden führt einen zum Expressionismus im Quadrat, macht einen, der die Buchheim Sammlung schon wiederholt besucht, aber nicht im Detail mit ihr vertraut, auf den Mehrwert des ^2 aufmerksam. So bleibt es allein den wunderbaren Bildern überlassen, den Betrachter wieder zu begeistern.
Und dann gar die "Obsessionen". Versteckt hinter einem Paravent im Untergeschoss beginnend. Schon der Titel Obsessionen im Flyer hat mich stutzig gemacht, samt seinem Titelbild von Egon Schiele. Obsession? Besessenheit im Jahre 2015? Der Texter sollte sich mal ansehen, was heute unseren 14+ -jährigen zur "Aufklärung" zur Verfügung steht. Zu den Exponaten. Sie sind im dunklen, roten Kabinett nur schwer zu erkennen. Überraschung? Ja, die Dynamik der Darstellungen von Rodin. Und dann Teil 2: zwei Stockwerke höher. Wieder vorbei an hässlich zugeklebten Glastüren.
Buchheim nahm kein Blatt vor den Mund. Wenn er das Alles heute so gesehen hätte, objektiv und nicht als sein eigenes, wie ich es tat, so hätte er laut gerufen: Wer räumt den Buchheimstadl auf?