Freitag, 7. August 2015

Oz nennt es Judas

Amos Oz: Judas. Angelegt als ein Kammerspiel mit einem jungenhaften Mitzwanziger, einer geheimnisvollen endvierziger Witwe und einem körperbehindertem intellektuellen Greis. Es spielt in drei Ebenen, eine betrifft die Vergangenheit des Vaters der Witwe, die als radikaler, indirekt autobiografischer Beitrag zu den Wurzeln der  Friedensbewegung  verstanden werden kann. Die zweite Ebene ist der vorläufig gescheiterten Dissertation des Jungen gewidmet über Christus aus jüdischer Sicht mit Judas als zentraler, missverstandener Persönlichkeit. Die dritte ist der graue Jerusalemer Alltag im Winter in den  1960er Jahren mit einer zarten, aussichtslosen Liebesgeschichte.
In Summe ein Werk, das wahrscheinlich viel Autobiografisches enthält, ja beinahe als abschließende Rechtfertigung verstanden werden kann, mehr als alles bisherige.

Sonntag, 26. Juli 2015

Boyle Ungehörtes

T.C.Boyle: Talk Talk. Erfolgreicher Autor, dessen Kritik an der US-Gesellschaft mir erst literarisch überzogen erschien, bis mich der jüngst geschehene Selbstmord nach 3Tagen Gefängnis einer kleinen afroamerikanischen Verkehrssünderin eines besseren belehrte. Ob ich das Buch trotz der sich anbahnenden Selbstjustiz zu Ende lese?

Samstag, 4. Juli 2015

Stühle und Monochrome


Sind es gestellte Szenen mit Utensilien wie Puppenstubenmöbeln, die meine Landschaftsfotografie personalisieren könnte? Sollte ich versuchen, meinen Landschaften damit die gesuchte Spannung, eine Tiefe mit Hinterhalt zu geben? 
Meinen bisherigen Ansatz, natürliche, quasi monochrome Aufnahmen zu machen, ohne monochrome Einstellungen an der digitalen Kamera zu nutzen oder gar eine Nachbearbeitung, möchte ich dazuhin weiter entwickeln.

Dienstag, 23. Juni 2015

Romantische Demontage

Lea Singer: Anatomie der Wolken. Es muss einem schon etwas besonderes einfallen, um über den rundum erfolgreichen, klassischen Heroen der Deutschen erfolgreich zu schreiben. Ein Liebender Mann mit dem Empfinden eines alten Connaisseurs geschrieben, zum Beispiel; ich habe das als authentisch und altersgerecht genossen. 
Dann ist wohl die romantische Demontage in der Anatomie auch ein altersgerechtes, authentisches Werk, diesmal einer jungen, hoch gelehrten Frau, die kein gutes Bild von alten Männern hat, woher auch immer, das macht sich hier allemal gut. Aber es liest sich gut, da es einen schönen Spaziergang in der deutschen Kulturlandschaft seinerzeit bietet, "deja vue" und einen gewissen Witze hat.

Montag, 15. Juni 2015

Zeitung- vollkommen, erstarrt

Die Zeitung, Hort des Qualitätsjournalismus, treibt mich immer wieder um. Am letzten Wochenende feierte sich die FAS mit ihrer neuen Aufmachung nach 14 Jahren, eine Reihe feiner Veränderungen, die sogar der Süddeutschen einen Aufsatz wert waren. Ein Vielleser unserer Tage, Leser auch auf dem Smartphone, Tablet und ebook-reader, muss schon auf die Veränderungen der FAS hingewiesen werden, um sie überhaupt wahrzunehmen. Und ich finde den Vergleich mit der Zeitung meiner Vorfahren faszinierend. Den Vergleich mit dem Layout aus 1720, der Freitags-Zeitung. Dann den "Entwicklungsgang" der Zeitung, wie ihn der Großvater Stefan Ulrich im Jahre 1912 zum 200sten Jubiläum der Druckerei darstellte, die Freitags-Zeitung ganz unten am Anfang. Zurück zur Gegenwart: Ist der Zeitungsdruck wirklich so erstarrt, oder muss er erst von den digitalen Medien lernen, die ihn heute so vehement in die Zange nehmen?

Montag, 8. Juni 2015

Genius&Trend2: Energiewirtschaft nur mit Elektronen&Wasserstoff


In Genius und Trend, siehe blog vom 13.5., ging es seinerzeit um eine Vision für I&K, Informations- und Telekommunikationstechnik, für das 21. Jahrhundert.  Das damals, 1999, prognostizierte Lebensgefühl einer mobilen Wissensgesellschaft ist bereits heute als Digitale Gesellschaft Realität mit einer ganzen Reihe von genialen disruptiven Innovationen. Unbegrenzte Mengen an Bit in der Nachfolge von begrenzten Mengen an Molekülen waren die Leitidee der Vision.
Es ist an der Zeit, diese Idee weiterentwickeln in Richtung der unerlässlichen Energieträger. Die fossilen Energieträger beruhen ausnahmslos  auf Molekülen. Ihre Begrenztheit stellte der Club of Rome zum zum ersten Mal aufrüttelnd  dar; heute dominiert das Problem des CO2 bei ihrer Nutzung. Das Ernten erneuerbarer Energie und ihre Verbreitung als elektrische Energie kommt ohne Moleküle als Träger aus. Eine Wasserstoff-Energiewirtschaft mit Speichern braucht darüber hinaus nur H2O. Im Schatten des G7 2015 beinahe keine Vision mehr, DECARBONIZE. Das wird eine Revolution bringen, vielleicht eine größere Revolution als für I&K in 1999 abzusehen war.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Murakami&Männer

Haruki Murakami: Von Männern die keine Frauen haben. Es war eine fesselnde Lektüre aus der Feder des Großmeisters. Obgleich, der Titel irreführend, Kurzgeschichten nicht mein Ding, einiges experimentell und eher Murakami auf dem Weg zu Kafka als zu sich selbst.  Der Titel meint, Männer, die keine Ehefrauen oder so etwas wie monogame Partnerinnen haben, Männer, die Männer haben sind auch nicht vorgesehen. Die Erzählungen sind so gut, dass man über diese Mängel an der Verpackung gene hinwegliest.