Mittwoch, 28. Juni 2017

Der Alte und seine Zettel

Der Alte in "Der Mensch erscheint im Holozän" von Frisch wird im Spiegel von Zitaten aus  seinem überschaubaren Bücherbestand beschrieben. Und weil ihm das Wesentliche in den Büchern zu fern, schreibt er ab oder reißt aus und heftet aufwändig und hausfüllend an die Wände, selbst das künstlerisch wertvolle Portrait seiner verstorbenen Frau muss weichen.

Ich bin bemüht meinen Bücherschrank, schon so oft dezimiert, nicht wieder wachsen zu lassen. E-Book ist bequemer, besonders beim Lesen unterwegs und nachts und überall im Netz nachladbar. Aber dann sind sie weg, die E-Books wie die Filme wie die Events wie die Aktionen wie die Ideen.
Also müssen Zettel her. Posts. An die Wand? Der Alte ließ niemand ins Haus weil er sich seiner bezettelten Wände schämte: geht niemand was an.
Ich poste in meinem steinblog in der Cloud, den im Prinzip jeder auf der Welt mit Netzzugang, also weit mehr als 1 Milliarde Menschen, lesen können. Und die dafür erfassten Zugriffe, Maschinen eingeschlossen, liegen in der Größenordnung von 10 in Worten zehn bei 10^9  möglichen Zugriffen. Zugriffswahrscheinlichkeit10^-8, in Worten zehn hoch minus acht. Gut versteckt?

Frisch&Knausgard

Es ist mir gleichgültig, ob ich mit meinem nicht tiefgängig angelegten Vergleich von Max Frisch (Montauk &Der Mensch erscheint im Holozän) und Karl-Ove Knausgard (Trilogie?) schief liege. Knausgard habe ich ohne murren 1000-seitenweis konsumiert. An Frisch 100 Seiten räsoniert. Die 1000 Seiten waren jung, hipp und fern. Die 100 alt, canonisch und nah.

Montag, 26. Juni 2017

Frisch Holozän

Max Frisch, der Mensch erscheint im Holozän. Vom Regen in die Traufe:  statt Frisch und das Alter hinter mir zu lassen, mich reinzuwaschen von, Montauk, lese ich das. Fasziniert. Jetzt aber frische Lektüre ohne Frisch.

Montauk

Max Frisch: Montauk. Volker Schlöndorfs Film und das Buch von Frisch habe ich als Geschenke empfangen und genommen. Den Film als schnellen, bunten, mit seinem Liebesfaden umgarnenden, verzaubernden Genuss. Das Buch, mühsame Anstiege, Gegenhänge, in seiner Subtilität seiner Gattung mehr als gerecht. MRR preist es als
intimstes Buch, veröffentlicht vom alternder Autor mit 64 Jahren, habe ich mich darum so an ihm gerieben? Frisch spiegelt sich und früheren seine Frauen in einem Wochenende mit einer bescheidenen jungen Seele, die den berühmten, fremden Autor verehrt. Das Buch hat mich älter gemacht, das wird wohl länger dauern, bis ich das wieder abgewaschen habe.